Niedrigzinsen: Sind die Renten noch sicher?

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Schon lange schnaufen die Rentner des Landes wegen der hohen Preise. Mieten, Lebensmittel, Kraftstoffe, Heizöl: Wer soll das noch bezahlen? Dazu bedrohen Niedrigzinsen Renten in ungeahntem Ausmaß.

Durch neue Verträge bedrohen Niedrigzinsen Renten

Die Menschen sind viele Jahre lang arbeiten gegangen und haben fleißig in die Rentenkasse eingezahlt. Jetzt sind sie in Rente und können sich oft nicht mehr als das Nötigste leisten. Keine Rede mehr davon, den Lebensstandard zu halten, vielmehr geht es darum, täglich finanziell über die Runden zu kommen. Das kann kein Zustand sein, sagte sich auch die neue Regierung, und beschloss eine Rentenerhöhung. Was gut klingt, erweist sich bei näherem Hinschauen als Bumerang.

Denn gleichzeitig mit der Rentenerhöhung wurde auch der Nachholfaktor bzw. dessen erneute Einführung beschlossen. Damit wird nun vor der nächsten Anpassung der Renten geschaut, ob nicht vor einiger Zeit hätten Kürzungen durchgeführt werden müssen. Diese werden praktisch gegeneinander verrechnet, sodass zwar eine Erhöhung stattfinden kann, diese aber deutlich geringer ausfällt als gedacht oder als versprochen.

Die neuen Verträge der Regierung sind nicht die einzigen, die die Renten bedrohen. Denn auch für klassischen Renten- und Lebensversicherungen werden die Verträge neu aufgelegt. Nun gilt zwar immer noch die private Rentenversicherung als Rettungsanker, doch zumindest diejenigen, die die Versicherung neu abschließen, werden weniger glücklich sein.

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Durch Niedrigzinsen Renten zu reinen Sparprodukten werden lassen

Schon lange haben es Experten kommen sehen: In Zukunft werden Niedrigzinsen Renten bedrohen! Das beginnt bereits beim Abschluss der privaten Rentenversicherung, die mittlerweile fast zum Standard gehört, weil die gesetzliche Rente nicht ausreichen wird. Wurden bisher 0,9 Prozent Garantiezinsen angeboten, werden das schon bald nur noch 0,25 Prozent sein.

Die Versicherer beklagen sich, denn damit lassen sich keine neuen Kunden oder Zweifler davon überzeugen, dass dieses Sparprodukt ideal ist. Einen ähnlichen Effekt hätte es schließlich, den eigenen Beitrag Monat für Monat zu Hause in den Sparstrumpf zu stecken. So ähnlich sehen dies wohl auch diejenigen, die ihr Geld in Fest- oder Tagesgeldkonten anlegen würden, denn auch dort setzen Niedrigzinsen dem Zinsgewinn ein Ende.

Tipps von den Finanzexperten

Viele Versicherer geben dank der gesunkenen Höchstrechnungszinssätze keine Zinsversprechen mehr ab. Doch das gilt erst ab 2022: Es ist daher ratsam, noch in diesem Jahr eine Risikolebensversicherung oder auch eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen. Diese warten jeweils mit niedrigeren Beiträgen auf, als sie in 2022 zu erwarten sind. Eine Garantie auf die Zinssätze wird es nicht mehr geben.

Viele Versicherer sehen darin allerdings auch eine Chance, sich vom Wettbewerb abzuheben. Man geht einfach individuell auf den Kunden ein und passt die Zinssätze so an, wie es rechnerisch möglich ist. Ob sich das so umsetzen lässt, ist allerdings noch fraglich.

Auch die Riester-Rente steht mal wieder in der Kritik. Die Beitragsgarantie muss eigentlich zu 100 Prozent gegeben sein, was sich aber angesichts der immensen Verluste, die mit dieser Versicherung gemacht werden, nicht mehr halten lässt. Nun wird eine Beitragsgarantie von 80 Prozent gefordert.

Wer aber möchte, wenn er oder sie für die Rente spart, eine Garantie nur noch auf 80 Prozent der eingezahlten Beiträge bekommen? Inzwischen werden staatlich gemanagte Vorsorgefonds gefordert, um die zukünftigen Renten zu sichern. Fraglich bleibt, ob sich diese durchsetzen werden.

Über den Autor

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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