Interview Marburger Bund Zeitung mit Jörg Arnold

22.07.2010 | Köln
"Kontinuität und hohe Kompetenz sind unser Unternehmenskapital"

Jörg Arnold, Vorsitzender des Vorstandes der Deutschen Ärzteversicherung, betont im Interview mit der Marburger Bund Zeitung die Bedeutung umfassender, kontinuierlicher Beratung für Ärzte.

MBZ: Herr Arnold, Sie sind seit 1. Januar diesen Jahres Vorstandsvorsitzender der Deutschen Ärzteversicherung. Ihr Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren stetig besser entwickelt als der Markt - beste Startbedingungen für Sie als neuer Chef, oder?

Herr Arnold: Unser Unternehmen hat sich in der Tat sehr gut entwickelt. Und deshalb verbindet sich mit meinem Amtsantritt auch aus gutem Grund kein Kurswechsel, sondern eine kontinuierliche Fortsetzung einer erfolgreichen Geschäftspolitik. Demnächst bin ich zehn Jahre bei der Deutschen Ärzteversicherung und bin so auch in diesem Prozess mitgewachsen. Und diese Kontinuität in der Geschäftspolitik spiegelt sich u. a. auch in der langjährigen engen Zusammenarbeit mit dem Marburger Bund wieder. Langjährige gute Kontakte sind enorm wichtig für unser Geschäft.

MBZ: Worauf ist dieser Erfolg zurückzuführen?

Herr Arnold: Wir arbeiten im Doppelkombi - mit erfahrenen Versicherern und guten Vertriebspartnern in einem Boot. Das ist ein echter Kompetenzgewinn, den wir im Umgang mit unserer Zielgruppe, den Ärzten unter Beweis stellen können. Unser Erfolg setzt nicht auf abrupte Manöver, sondern seit rund 60 Jahren auf die Kooperation mit ärztlichen Organisationen, wie dem Marburger Bund. Das schafft Vertrauen. Die Ärzteschaft in Deutschland muss mit so vielen Unwägbarkeiten leben, dass sie von uns zu recht hohe Verlässlichkeit und keine negativen Überraschungen erwartet.

MBZ: Wo sehen Sie das Unternehmen Deutsche Ärzteversicherung in fünf Jahren?

Herr Arnold: Wir sind Marktführer und diese Position wollen wir natürlich auf jeden Fall halten. Unser entscheidender Erfolgsparameter ist, das erfolgreiche Team zusammenhalten, Kontinuität im Führungsstil, keine hektische Betriebsamkeit - so wie es von Herrn Hans Geiger, der vielen Ihrer Mitglieder ein Begriff ist, begonnen wurde und von mir fortgesetzt werden wird. Wir werden sicher kleinere, neue Puzzelsteine hinzufügen, um uns weiterzuentwickeln. Die KlinikRente ist dafür ein gutes Beispiel.

MBZ: Gesundheitspolitisch geht es derzeit turbulent zu. Sind das nicht schwierige Zeiten für die private Vorsorge in der Ärzteschaft?

Herr Arnold: Ärztinnen und Ärzte haben erkannt, dass die persönliche Vorsorge wichtiger denn je ist und deshalb privat abgesichert werden muss. Es hat sich ohne Frage in diesen turbulenten Zeiten längst durchgesetzt, dass ein Zusatz zur Rente unerlässlich ist. Bei diesen Überlegungen spielt die Gesundheitspolitik nicht die entscheidende Rolle, vielmehr waren und sind die Tarifabschlüsse maßgeblich für die Entscheidung, ob Geld für die private Vorsorge übrig bleibt. Spätestens aber seit der Finanzkrise ist das Bewusstsein für sichere und renditestarke Anlageformen deutlich gestiegen. Wir registrieren deshalb einen deutlichen Umsatzanstieg.

MBZ: Die Deutsche Ärzteversicherung und der Marburger Bund arbeiten seit nunmehr über 40 Jahren in Partnerschaft zusammen. Gemeinsam wurde ein exklusives Vorsorgekonzept entwickelt, das DocDór heißt. Ist denn die Vorsorge über das ärztliche Versorgungswerk nicht ausreichend?

Herr Arnold: DocDór ist eines der beliebtesten Produkte, das viele MB-Mitglieder bereits abgeschlossen haben, weil es einzigartige Vorteile bietet. Das Besondere sind die Optionen zu den einzelnen Berufs- und Lebensphasen, die wir als spezialisierter Ärzteversicherer bestens kennen und deshalb passgenau zuschneiden können. Die Ärztlichen Versorgungswerke bieten eine sehr gute Basis-Absicherung, aber es gibt da Elemente, die mit Einschränkungen verbunden sind. Da ist einmal die demographische Entwicklung, die in einigen Versorgungswerken durch die Gemeinschaft ausgeglichen werden muss. Zweitens erfolgt eine Absicherung bei Berufsunfähigkeit nur bei 100 Prozent Berufsunfähigkeit, was eine sehr hohe Einschränkung darstellt. Der Tarif der Deutschen Ärzteversicherung gilt schon ab 50 Prozent Berufsunfähigkeit, und deshalb ist es so wichtig, privat hier etwas zusätzlich zu tun. Außerdem gilt es zu berücksichtigen, dass Ärztinnen und Ärzte doch in der Regel einen höheren Lebensstandard pflegen. Da stellt sich für den Einzelnen einfach die Frage, ob er davon später einmal Abstriche machen möchte oder nicht. Auch wird häufig unterschätzt, wie viel Kaufkraft die Inflation über die Jahre auffrisst. Es ist wichtig, auch daran zu denken.

Presseinformation

MBZ: Neben der Altersvorsorge ist die Berufsunfähigkeitsabsicherung also ein besonderes Highlight von DocDór und wird von allen namhaften Ratingagenturen hervorgehoben und mit ausgezeichneten Noten belegt. Welche Vorteile bietet sie unseren Mitgliedern nun ganz konkret?

Herr Arnold: In unserer Position als Standesversicherer haben wir sehr früh den speziellen Bedarf im Hinblick auf die Berufsunfähigkeit von Ärzten erkannt und in ein entsprechendes Produkt umgesetzt. Dieses Produkt beinhaltet u. a., dass zu einem sehr frühen Zeitpunkt eine Berufsunfähigkeit geprüft wird, der Arzt nicht auf andere Berufe und nicht auf andere Tätigkeiten ausweichen muss, sondern er vielmehr seine zuletzt ausgeübte Tätigkeit versichert.

MBZ: Die Deutsche Ärzteversicherung ist im sogenannten Heilberufeverbund, der aus Ihrem Unternehmen, der apoBank und den wichtigsten berufsständischen Organisationen, auch dem Marburger Bund besteht, eng verbunden. Welche Vorteile ergeben sich aus dieser Vernetzung für unsere Mitglieder?

Herr Arnold: Als ganz entscheidendes Element ist hier der Kundenbeirat aus 17 Vertretern der akademischen Heilberufe zu sehen. Die Kunden haben das Recht, den Beirat anzurufen, wenn sie mit der Abwicklung ihres Anliegens unzufrieden sind. Der Beirat spricht dann eine Empfehlung aus, der bislang stets Folge geleistet wurde. Hinzu kommt, dass z. B. mit dem Marburger Bund gerade auch neue Produkte schon im Vorfeld sehr eng abgestimmt werden, der MB hier eine direkte Einflussmöglichkeit hat. Im Interesse seiner Mitglieder. Und diese gemeinsamen Produkte werden eben auch mit der Standesbank, der apo-Bank, z. B. im Rahmen der Praxisfinanzierung, angeboten.

MBZ: Sie verkaufen ihre Versicherungs- und Vorsorgeprodukte über den Exklusivvertrieb Deutsche Ärzte Finanz. Was macht den Unterschied zu anderen, konkurrierenden Vertrieben?

Herr Arnold: In der Beratung beschäftigen wir kompetente Spezialisten die sich nur und ausschließlich mit Ärzten und deren Bedürfnissen beschäftigen. Im Mittelpunkt steht der Arzt in einem Konzept der Rund-um-Betreuung. Dieses Arzt-Berater-Verhältnis ist mit dem Arzt-Patienten-Verhältnis vergleichbar. Unsere Repräsentanten beschränken sich nicht nur auf eine Analyse der Versorgungssituation, sondern sie begleiten den Arzt in allen Phasen seiner beruflichen Karriere. Das beginnt mit Tipps zur richtigen Bewerbung und endet damit, für die eigene Praxis einen geeigneten Übernehmer zu finden. So entsteht eine langjährige, fruchtbare Zusammenarbeit auf der Grundlage hohen Vertrauens.

Presseinformation

MBZ: Zurück noch einmal zu den Produkten. Mit der "KlinikRente" ist ein weiteres Vorsorgeprodukt neu auf den Markt gekommen. Können Sie es kurz skizzieren?

Herr Arnold: Seit der MB eigenständige Ärztegewerkschaft ist, besteht eine Wahlmöglichkeit der Entgeltumwandlung zum Aufbau einer steuerbegünstigten Altersabsicherung. Ärztinnen und Ärzte können auf dieser Grundlage entscheiden, ob sie künftig in die betriebliche Altersversorgung VBL, ZVK oder eine private Altersvorsorge einzahlen möchten. Für diese private Altersvorsorge hat sich ein starkes Konsortium aus Allianz, Deutsche Ärzteversicherung, Swiss Life und Generali gebildet, für das KlinikRente den Versicherungsmantel bildet. Damit wurde ein Branchenstandard gesetzt, in der die Mehrheit der Krankenhäuser inzwischen Partner sind, zum Vorteil der Ärzte, weil damit eine hohe Portabilität gesichert ist, die gerade für die Ärzte infolge häufigen Arbeitsplatzwechsels von Bedeutung ist. Der Marburger Bund ist da als großer Partner mit von der Partie.

MBZ: Nun ist in letzter Zeit die Haftpflichtversicherung in den Focus gerückt. Die Prämien wurden drastisch erhöht. Was sind die Gründe?

Herr Arnold: Die Prämien mussten in der Tat deutlich nach oben korrigiert werden. Grund ist ein drastisch gestiegener Schadensaufwand pro Jahr, z. B. für Verdienstausfall oder bei lebenslangen Zahlungen für Kinder und Jugendliche. Die großen Schäden sind inzwischen viel teurer geworden, so dass in den letzten drei Jahren einem Euro Einnahme zwei Euro Ausgaben gegenüberstehen. Wir mussten also hier handeln. Das Thema spielt bei den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten aber eine weitaus größere Rolle als bei den Krankenhausärzten.

MBZ: Wie Sie erwähnen, sind vor allem die niedergelassenen Ärzte von den Prämiensteigerungen betroffen. Wie ist die Situation bei den Ärzten im Krankenhaus?

Herr Arnold: Im Krankenhaus sind zunächst nur jene Ärzte davon betroffen, die neben ihrer Krankenhaus-Tätigkeit privatwirtschaftlich tätig sind. Das gilt insbesondere für Chefärzte. Für nachgeordnete, angestellte Krankenhausärzte ist die Berufshaftpflicht in erster Linie durch das Krankenhaus abgedeckt. Mit dem MB wurde allerdings ein neues, attraktives Angebot für die Restrisiko-Absicherung entwickelt, da ein Arzt grundsätzlich über das Krankenhaus hinaus in die Situation kommen könnte, ärztlich tätig werden zum müssen. Im Fall grober Fahrlässigkeit würde dann diese Absicherung gelten.

MBZ: Es werden immer wieder Schadensfälle diskutiert, die durch Übermüdung von Ärzten "im Dauereinsatz" verursacht worden sein sollen. Können Sie diese Fälle bestätigen?

Herr Arnold: Vor Gericht spielt weniger die Frage der Ursache, also zum Beispiel Übermüdung eine Rolle, als vielmehr die Frage, ob vom Facharztstandard abgewichen wurde. Die Ursache eines Fehlers ist bei Gericht nicht entscheidend. Insofern wird bei uns darüber keine Statistik geführt.

MBZ: Was raten Sie in Sachen Haftpflicht einem Arzt, der sich selbständig machen will?

Herr Arnold: Es handelt sich zunächst einmal um eine Pflichtversicherung. Wir geben die Empfehlung, nicht nur nach dem Preis für die Haftpflicht zu schauen, sondern vielmehr nach dem Leistungsspektrum. Das Problem sind nicht viele kleinere Schäden, sondern der Schaden mit hoher Schadenssumme. Und genau deshalb gehört die Kalkulation dieser Haftpflichtversicherung in professionelle Hände. Und das ist bei der Deutschen Ärzteversicherung der Fall. Als größter Arzthaftpflichtversicherer tun wir nichts anderes als darauf zu achten, dass Preis und Leistung, entscheidend abhängig vom Fachgebiet passen. Und die Ausgabe für die Haftpflicht sollte auch auf jeden Fall bei den Betriebsausgaben dringend berücksichtigt werden. Ganz entscheidend ist in diesem Zusammenhang rechtzeitig zu klären, welche Tätigkeit konkret in der Niederlassung angestrebt wird.

MBZ: Eine abschließende Frage: Gibt es Überlegungen zu gemeinsamen neuen Projekten in der nächsten Zeit zwischen der Deutschen Ärzteversicherung und dem Marburger Bund?

Herr Arnold: Wir sind stets gemeinsam mit dem MB darum bemüht, gute, auch neue Produkte zu entwickeln. In Ergänzung zur Berufsunfähigkeits-Versicherung soll es für die Ärztinnen und Ärzte in höherem Alter - Stichwort Rente ab 67 - demnächst ein Ergänzungsprodukt geben. Wichtig ist, dass wir weiter so konstruktiv und zielführend zusammenarbeiten, wie das bisher schon geschehen ist, im Interesse der MB-Mitglieder. Und an dieser Stelle möchte ich auch gerne ausdrücklich anbieten, dass aus der Mitgliedschaft heraus jederzeit gerne an uns Ideen und Anregungen gegeben werden können. Denn wer könnte besser erkennen, als die Ärztinnen und Ärzte selbst, was ihnen für ihre persönliche Absicherung noch fehlt.

MBZ: Herr Arnold, herzlichen Dank für das Interview!f

Quelle: Pressemeldung Deutsche Ärzteversicherung

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